Bei „Da Capo Udo Jürgens“ hast Du ein Solo in „Ich bin dafür“, so, wie auch 2014 bei der „Mitten im Leben“-Tournee. Warst Du damals aufgeregt, vor zehntausenden Menschen zu solieren? Und mit welchem Gefühl spielst Du das Solo heute, mit Udo auf der riesengroßen Videoleinwand hinter Dir?
Die vielen Leute waren und sind für mich kein Problem. Für mich ist es kein Unterschied, ob ich vor hundert oder vor mehreren tausend Menschen spiele. Ist das Publikum überschaubarer, so wie in einem Jazzclub zum Beispiel, sind die Menschen für mich präsenter, weil sie einfach näher dran sind. Wenn ich das Solo spiele, geht es für mich nur um eine Sache: Ich möchte es so gut spielen, wie ich kann. Ich will grundsätzlich, dass alle Spaß haben, wenn ich Posaune spiele, und da schließe ich mich selbst mit ein.
Der Unterschied bei „Da Capo Udo Jürgens“ ist der, dass Udo nicht vor mir auf der Bühne steht, sondern hinter mir zu sehen ist, auf der Leinwand. Sehr schön war es trotzdem. Nur etwas anders. Die gesamte Band hat live gespielt, nur Udo nicht. Es hat mich sehr bewegt, seine Stimme zu genießen und ihn zu sehen, obwohl er nicht mehr da ist so wie damals im Jahr 2014.
Du liebst Balladen. Gibt es eine Ballade, bei der Du das Radio lauter drehst? Und: Welche von Udos Balladen magst Du besonders?
Woher weißt du das denn? (lacht). Ja, das stimmt, ich spiele sehr gerne Balladen. Meine Vorbilder sind insbesondere jene Posaunisten, die Balladen extrem schön spielen. Ich denke etwa an Dick Nash, Urbie Green oder Bill Watrous. Im Radio laufen diese Stücke ja leider nur selten, aber wenn etwa „Memories of You“ oder „Unforgettable“ von Bill Watrous gespielt werden, und ich bin zum Beispiel im Auto unterwegs, dann muss ich sofort anhalten, die Augen schließen und die Musik auf mich wirken lassen.
Mich zwischen Udos Balladen entscheiden zu müssen, finde ich schwierig. Es gibt einfach so viele, die großartig sind. Geht „Griechischer Wein“ als Ballade durch? Wenn ja, dann ist das meine Antwort. 2014 habe ich bei dem Stück jedes Mal Gänsehaut bekommen – und das hat sich bis heute auch nicht geändert.