Im Gespräch mit Trompeter Jörg Brohm

Abschiedsstimmung für die Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard. In Wien findet die finale Show von „Da Capo Udo Jürgens“ statt. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Trompeter Jörg Brohm sah Udo und Pepe Lienhard das erste Mal auf der Bühne der Siegerlandhalle. Die Tournee „Ohne Maske“ hinterließ bei Jörg tiefen Eindruck. Sein großer Traum, einmal mit Udo und dem Orchester Pepe Lienhard gemeinsam auf der Bühne zu stehen, erfüllte sich 2009 auf Udos Tournee „Einfach ich“. Wir sprachen mit Jörg über eine Trompete im Schlafzimmerschrank, Udos besondere Aura und den vielleicht schönsten Moment seiner Karriere.

Jörg, stimmt die Geschichte, die wir gehört haben, dass Du Deine erste Trompete im Schlafzimmerschrank Deines Vaters entdeckt hast?  

Ja, das war absolut so.

War Dir sofort klar: Das ist es! Ich will Trompete spielen!

Ja, sofort. Ich habe ein Jahr lang autodidaktisch das Instrument geübt und dann Privatunterricht bekommen.

Du hattest auf Deinem Weg immer die besten Musiker an Deiner Seite, die Dich gefördert haben: Fritz Nöh, Posaunist bei Kurt Edelhagen oder Jiggs Whigham …

Ich bin zunächst in eine klassische Richtung eingeschlagen: Musikschule, Jugend musiziert, später dann entdeckte ich die Uni Big Band in Siegen, die Jiggs Whigham damals leitete. Nach dem Abitur bin ich zur Bundeswehr ins Ausbildungsmusikkorps und habe in Düsseldorf Klassik studiert und mit Diplom abgeschlossen.

Big Band der Bundeswehr, die Heavytones, Ernst Hutter, Paul Kuhn, Till Brönner, Seal. Du spielst eine breite Range …!

Ich wollte immer breit aufgestellt sein. Ich habe zwar die klassische Ausbildung durchlaufen, weil ich dies als Grundlage für das Trompetenspielen und für alles Musikalische als solide Grundlage angesehen habe. Aber dann kam Paul Kuhn und wir haben die berühmten Fernsehsendungen zusammen gemacht. Über das Netzwerk von Musikern, die sich untereinander alle kennen, erweiterte sich der Kreis.

Dieser spezielle Sound, der anders war als das, was ich so kannte, hat mich sofort abgeholt.

Und dann kam das Orchester Pepe Lienhardt …

Ich glaube, ich war 17 oder 18, als ich in meiner Heimatstadt Siegen, in der Siegerlandhalle, das erste Mal Udo Jürgens und Pepe Lienhard gehört habe. Das war die Tournee „Ohne Maske“. Ich fand das so beeindruckend, wie die Band geklungen hat. Das hatte ich bis dahin noch nicht so gehört. Und dann dachte ich, da musst du auch mal spielen. Das musst du auch mal schaffen. Irgendwann später, als ich der Big Band der Bundeswehr spielte, empfahl mich ein Kollege dem Orchester Pepe Lienhard. Pepe hat das offensichtlich ziemlich gut gefallen. Ab 2009 habe ich dann die Udo Jürgens-Tourneen gespielt. Das war natürlich großartig für mich.

Das Orchester Pepe Lienhard hat den Sound der Udo Jürgens-Konzerte seit 1982 geprägt. Die Intros, die Reprisen, die Medleys … Euer Sound war immer sehr besonders, international … Was ist das Geheimnis dieses Sounds?

Wie soll man den Sound beschreiben? International. Ja, das trifft es. Das hat für mich sowas von große Welt. Las Vegas. Das ist in Europa ja relativ selten oder eigentlich gar nicht vorhanden, dieser Sound. Das hat auch mit der Besetzung zu tun und natürlich auch mit den hervorragenden Arrangements, die so ein Orchester im Wesentlichen ausmachen. Pepe hatte immer etwas Internationales. Ich kannte natürlich auch Big Bands in der klassischen Formation: Vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophonen. Aber die Formation mit drei Trompeten, eine Posaune, zwei Saxophonen war besonders. Mein Hauptaugenmerk lag natürlich in dem Fall auf den Trompeten. Und Pepe hatte auch damals schon immer super gute Lead-Trompeter. Dieser spezielle Sound, der anders war als das, was ich so kannte, hat mich sofort abgeholt.

Die Tournee „Mitten im Leben“ sollte Eure letzte sein.

Keiner konnte damit rechnen, dass Udo im Dezember stirbt. Im Frühjahr sollte die Tournee nach einer kurzen Pause weitergehen. Komischerweise hatte ich beim letzten Konzert in Zürich, ich weiß nicht warum, ein ganz komisches Gefühl. Alle 24 Konzerte vorher waren super für mich. Der letzte Konzertabend aber ist mir schwer gefallen. Es war alles okay, aber ich habe mich unfassbar anstrengen müssen. Ein ganz subtiles Gefühl.

Gibt es etwas, das Du besonders an Udo bewundert hast?

Ja, für mich hatte Udo eine besondere Aura. Er war sehr konsequent. Er war immer diszipliniert, immer perfekt vorbereitet, immer pünktlich.

Manchmal habe ich den Eindruck: Jetzt ist Udo da.

Wie erlebst Du die „Da Capo“-Show auf der Bühne, Udo riesengroß hinter dir? 

Manchmal habe ich den Eindruck: Jetzt ist Udo da.

Wie blickst Du auf die Zeit mit Udo und Pepe zurück? 

Die Zusammenarbeit mit Udo und Pepe ist eines meiner bedeutendsten Erlebnisse in meiner musikalischen Laufbahn. Ich erinnere mich an den Moment, als ich Udo und Pepe zum ersten Mal in Siegen gehört habe. Später, als ich dann selber mit Udo und Pepe zusammen auf der Bühne stand, in Siegen, meiner Heimatstadt, und meine Eltern unten im Publikum saßen, hatte ich das Gefühl: Jetzt hast du es geschafft.

 

Die Zusammenarbeit mit Udo und Pepe ist eines meiner bedeutendsten Erlebnisse in meiner musikalischen Laufbahn.

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