Wiedergehört: Ein Bote aus besseren Welten #12

Für Udo Jürgens war es das Konzert „seines Lebens“. Für alle, die 2001 in der Wiener Staatsoper live dabei waren, ist dieser Abend bis heute unvergessen: Wien. Die Staatsoper. Solo-Konzert. Udo Jürgens ganz alleine am Flügel. Zum berührenden Höhepunkt wird das Lied „Ein Bote aus besseren Welten“. 1999 erschien der Titel erstmalig auf dem Studioalbum „Ich werde da sein“, in der Live-Version solo aus der Wiener Staatsoper ist er auf dem im Dezember 2022 veröffentlichten Konzeptalbum „da capo, Udo Jürgens – Stationen einer Weltkarriere“ enthalten. Die Zeilen, die Udo Jürgens singt, werfen Widerhaken in Gedanken: „Ich wär‘ so gern / Ein Bote aus besseren Welten / Der nur vom Guten und Schönen dir erzählt / Ich wär‘ so gern / Ein Bote aus besseren Welten / Doch sag‘ ich uns zulieb‘ auch, was mir nicht gefällt …“

Wiedergehört: Ich war noch niemals in New York #11

„Ich war noch niemals in New York“, geschrieben von Udo Jürgens zusammen mit seinem kongenialen Textdichter Michael Kunze vor etwas mehr als 40 Jahren, war nicht auf Anhieb ein Super-Hit. So wie heute. Diese von ihm so lässig und doch so präzise durchdacht vertonte Reise nach New York landete 1982 auf der B-Seite einer Single-Auskopplung. Der Text erzählt von einem Mann, der aus seinem Alltag fliehen will. Man ist sofort in dem Song drin. Im Treppenhaus, um Zigaretten zu holen, „es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit (…) ich müsste einfach gehen für alle Zeit“. Und dann noch einmal: „für alle Zeit“. Einfach gehen, nach New York, nach Hawaii, nach San Francisco. In zerrissenen Jeans, „einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen“. Ich war noch niemals in New York. Das stimmte natürlich nicht für Udo Jürgens, der in einer sagenhaften Karriere doch schon überall auf der Welt war. Der Kärntner war doch längst zum Weltbürger geworden. Und doch ist es wahr, ich war noch niemals…, denn jeder Mensch trägt ein eigenes New York im Herzen als Sehnsucht, die unstillbar ist, wo man auch sei. Diese unstillbare Sehnsucht, Leitmotiv in so vielen von Udo Jürgens‘ Liedern, macht das Geheimnis dieses unsterblichen Klassikers aus.

Wiedergehört: "Leave A Little Love" #10

Mit der von Harold Faltermeyer in Hollywood produzierten LP  „Leave A Little Love“ erfüllt  sich Udo Jürgens im Jahr 1981 einen Lebenstraum: sein erstes englischsprachiges Album. Für das atmosphärische Cover, das Udo in knallig-roter Straßenszenerie zeigt (und für alle weiteren US-Fotografien), zeichnet wieder sein Bruder Manfred Bockelmann verantwortlich. An dem Album wirken Topstars wie Donna Summer und  Musiker von „Earth, Wind & Fire“ mit. „Leave A Little Love“ erscheint in über 20 Ländern und erhält hervorragende Kritiken. Beim „World Popular Song Festival“ in Tokio gewinnt Udo als einziger Künstler gleich zwei Preise: „Most Outstanding Performance Award“ als Interpret und „Most Outstanding Song Award“ als Komponist von „Leave A Little Love“. Für die LP gibt es im Jahr darauf auch den Deutschen Schallplattenpreis. „Leave A Little Love“ haut einen beim Hören – auch 41 Jahre nach seiner Entstehung – immer wieder um.

Traumtänzer #1

1983 fliegt Udo Jürgens mit seinem unterm Helikopter schwebenden gläsernen Flügel auf das 3.454 Meter hohe Jungfraujoch in den Schweizer Alpen, um hier sein neues Album und die gleichnamige Single-Auskopplung „Traumtänzer“ zu präsentieren. Vor der Kälte schützt ein Taucheranzug unterm weißen Smoking. Den Rückflug muss Udo Jürgens ohne seinen Flügel antreten, der Wind ist zu heftig für den Transport. Das Instrument bleibt alleine in 3.454 Meter Höhe zurück. Als eine eine japanische Bergsteigergruppe am nächsten Morgen den Gipfel erklimmt, glaubt sie beim Anblick des Flügels an eine Fatamorgana. Weltweit berichten Medien über den Gletscher-Auftritt.

If I Never Sing Another Song #2

Einen der vielleicht schönsten Momente in seiner Karriere erlebte Udo Jürgens 1978 bei einem Konzert des amerikanischen Entertainers Sammy Davis Jr. in München. Der beendete zu Udos Überraschung seine Show mit der Udo Jürgens-Komposition “If I Never Sing Another Song”: „In my hey-days, young girls wrote to me, everybody seemed to have time to devote to me, everyone I saw, all swore, they knew me, once upon a song…”. Für Udo Jürgens ist dies ein unvergesslicher Augenblick. Fünf Jahre lang hatte diese Komposition in der Schublade von Frank Sinatra gelegen, bis Sammy Davis jr. – auf der Suche nach einer großen Schlussnummer für seine Konzerte, vergleichbar mit Sinatras „My Way“ – von seinem Freund Frank Sinatra auf den Titel aufmerksam gemacht wurde. Sinatra überließ die Nummer Sammy Davis Jr. und der sang sie bis zu seinem Tod als Zugabe bei jedem seiner Konzerte.

Griechischer Wein #3

Nach der Rückkehr aus einem Rhodos-Urlaub komponiert Udo Jürgens in nur 20 Minuten die Melodie zu einem seiner größten Hits: „Griechischer Wein“. Er ahnt, dieser Song wird ein Knaller. Aber die Texte, die verschiedene Autoren für die Komposition schreiben, gefallen ihm alle nicht. Es darf kein Urlaubs-Kitsch sein, kein romantisches Liebeslied, kein „Sonja, wach auf“. Zwei Jahre lang lässt Udo Jürgens die Komposition in der Schublade liegen – bis Textdichter Michael Kunze ihm die Idee für eine Geschichte präsentiert, die im Ruhrgebiet spielt. Der Text erzählt von der Sehnsucht und vom Heimweh griechischer Gastarbeiter: „Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde / Komm‘, schenk dir ein / Und wenn ich dann traurig werde liegt es daran / Dass ich immer träume von daheim / Du musst verzeihen“. „Griechischer Wein“ wird Hit des Jahres 1975 und in der griechischen Fassung zum Volkslied. Weltstars wie Bing Crosby und Al Martino covern später „Come Share The Wine“. Bis heute zählt „Griechischer Wein“ zu den großen Klassikern von Udo Jürgens.

Was ich dir sagen will #4

Als Udo Jürgens Joachim Fuchsberger das erste Mal besucht, bringt er in seiner Aktentasche ein paar Hausschuhe mit. Er wollte die Villa des Schauspielers nicht mit Straßenschuhen betreten. Ähnlich bescheiden spielt Udo Jürgens Joachim Fuchsberger ein paar Minuten später eine opulente Ballade auf dem Klavier vor. Eine tolle Nummer, aber der Song hat noch keinen Text. Udo Jürgens findet die Worte einfach nicht für seine Komposition. Fuchsberger ruft spontan aus: „Das ist doch schon der Titel!“ „Was ich dir sagen will“, entstanden 1967, wird, mit dem Text von Joachim Fuchsberger, zum unsterblichen Klassiker. In der englischen Version „The Music Played“ macht Matt Monro den Song zu einem Welterfolg.

Peace Now #5

Wie politisch, modern und seiner Zeit weit voraus Udo Jürgens seine Kompositionen verstand,  zeigt der Titel „Peace Now“ vom neuen Album „da capo, Udo Jürgens – Stationen einer Weltkarriere“, der sich als hochaktuelle Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft erweist. 1970 als B-Seite der Single „Deine Einsamkeit“ erschienen, hat „Peace Now“ auch 52 Jahre nach seiner  Erstveröffentlichung leider überhaupt nichts von seiner Aktualität verloren: „I ask peace now show me your face“. Eine Besonderheit zeichnet „Peace Now“ aus: Komposition und Text sind von Udo Jürgens.

Damals wollt' ich erwachsen sein #6

Auf dem Album „Lieder, die auf Reisen gehen“ veröffentlichte Udo Jürgens im Jahr 1977 den Titel „Damals wollt‘ ich erwachsen sein“. Ein Song für Midlifer, geschrieben zu einer Zeit, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Er beginnt mit den Zeilen „Vor ein paar alten Fotos sitz‘ ich nun seit Stunden / Ich habe ein Stückchen Erinnerung gefunden“ und mündet dann in den Refrain „Damals wollt‘ ich erwachsen sein / Ich weiß das noch wie heut‘ / Wenn mich das Leben traurig macht / Träum‘ ich von dieser Zeit“.  Ein melancholisches, schönes Lied, das beim Hören traurig und glücklich zugleich macht.

Der große Abschied #7

Es ist eines der unbekannteren Lieder von Udo Jürgens: „Der große Abschied“.  Es beginnt leise und steigert sich dann ins Bombastische. Erschienen 1967 auf dem Album „Was ich dir sagen will“, mit einem Text von Joachim Fuchsberger, erzählt es das Leben als eine Abfolge der Jahreszeiten. Es ist ein großer, melancholischer Popsong, ganz in der Tradition Charles Aznavours und Frank Sinatras, die Udo Jürgens beide sehr verehrte. „Nichts fängt im Leben noch mal an / Und was kommt dann / Dann kommt der große Abschied von der Zeit / Es gibt kein Wiedersehen / War sie auch noch so schön“. Ein Song, so groß wie ein Alterswerk.