Im Gespräch mit Violinistin Diana-Maria Turcu

Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard können sich freuen: Die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ wird im Januar/Februar 2026 mit 15 Konzerten in Deutschland und Österreich fortgesetzt. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Berlin, Hannover, Rostock, Dortmund, Stuttgart und Wien. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer neuen Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Die vielfach ausgezeichnete Violinistin Diana-Maria Turcu begeistert die Fans von Udo Jürgens bei „Da Capo Udo Jürgens“ Abend für Abend mit einem traumwandlerischen Violinen-Solo. Wir sprachen mit Diana über einen ganz besonderen Kaffee mit Pepe in Zürich, das Publikum als Spiegel und wie „Der gekaufte Drachen“ sie manches Mal zu Tränen rührt.

Diana, Du bist eine „Neuentdeckung“ von Pepe Lienhard für die „Da Capo Udo Jürgens“-Tournee. Wie wurdest Du von Pepe entdeckt?

Wie Pepe mir erzählte, brauchte er eine neue Geigerin für die Band und so rief er meine ehemalige Fachdidaktik-Professorin Fränzi Frick von der Zürcher Hochschule der Künste an. Sie hat mich sofort empfohlen – wofür ich sehr dankbar bin. Dann traf ich Pepe auf einen Kaffee in Zürich und ich hatte das Gefühl, dass ich ihn schon lange kenne, obwohl wir uns zum ersten Mal trafen. „Was für ein großartiger Mensch und erstaunlicher Musiker“ – dachte ich. Ich habe sofort angefangen, Pepe’s Musik zu hören, die ich sehr mag. Es war ein sonniger Sommertag.

Ich habe sofort angefangen, Pepe’s Musik zu hören, die ich sehr mag.

Diana-Maria Turcu

Hast Du Dir vor der „Da Capo“-Premiere auf YouTube alte Videos von Udos Konzerten angesehen?

Ja, natürlich habe ich mir alle Videos von den Liedern, die wir auf der Da Capo-Tour spielen, angesehen und sogar mit Udos Aufnahmen geübt. Ich habe mich sofort in seine Musik verliebt. So ein genialer Künstler.

Du beeindruckst auf der „Da Capo Udo Jürgens“-Tournee mit einem hinreißenden Violinen-Solo …

Die Soli von „Der gekaute Drachen“ und „Ich würd wieder tun“ sind für mich etwas ganz Besonderes. Abgesehen davon, dass sie sehr gut für die Violine geschrieben sind, hat diese Musik meine Seele so sehr berührt, dass sie mich manchmal zu Tränen rührt. Auch wenn wir 20 Konzerte während einer Tournee spielen – unsere Band gibt jedes Mal ihr Bestes und das wunderbare Publikum inspiriert mich, so dass ich immer versuche, ebenfalls mein Bestes zu geben. Mein Vater hat mir immer gesagt, dass „das Publikum dein bester Spiegel ist – es wird immer eine ehrliche Reaktion auf dein Spiel haben – also gib jedes Mal, wenn du spielst, dein Bestes und spiel mit deiner Seele“. Ich erinnere mich an diese Worte…

Auch wenn ich Udo nicht getroffen habe, ist das Spielen seiner Musik so, als hätte ich ihn bereits getroffen und mit ihm gesprochen.

Diana-Maria Turcu

Du hast schon als Kind angefangen, Musik zu machen. Warum hast Du Dir damals, als Fünfjährige, ausgerechnet die Violine ausgesucht?

Ja, mit drei Jahren hatte ich schon Musikunterricht bei meinem Vater – er war Musiklehrer und Trompeter. Ich gab den Kindergarten auf und ging stattdessen fast jeden Tag mit meinem Vater zum Musikunterricht. Das erste Instrument, das ich zu spielen begann – mit fast 5 Jahren – war die Trompete… mein Vater war mein Lehrer. Ich liebte es, aber meine Mutter war nicht sehr glücklich mit meiner Wahl – sie sagte, dass ich als kleines 5jähriges Mädchen mein Gehirn zerstören würde. Meine Schwester spielte bereits Geige. Wir gingen jeden Freitag zu klassischen Konzerten. An einem Freitag habe ich mir eine Rhapsodie von George Enescu angehört. Ich war so beeindruckt von dem Stück, dass ich anfing zu klatschen, als das Stück noch nicht zu Ende war. Das Publikum begann zu lachen, auch die Leute vom Orchester. Auf dem Heimweg fragte ich meine Mutter, wer George Enescu ist und wie jemand so ein schönes Stück komponieren kann. Sie erzählte mir, dass er in unserer Stadt I. Rumänien, Botoșani, geboren wurde und dass sein erstes Instrument die Geige war. Das war der entscheidende Moment – ich sagte meiner Mutter, dass ich von nun an die Geige spielen werde und ich werde Enescus Werke spielen, wenn ich erwachsen bin. Am nächsten Tag kaufte mir mein Vater eine Viertelgeige und ich begann, Privatunterricht zu nehmen. Ich war 5 Jahre alt, ja. So habe ich mich für dieses magische Instrument namens Geige entschieden. Bevor ich Enescus Rhapsodie hörte, liebäugelte ich mit dem Gedanken, auch Turnerin zu werden….. Glücklicherweise entschieden meine Eltern, dass es zu früh gewesen wäre, mit 5 Jahren das Haus zu verlassen. Aber meine Entscheidung war bereits getroffen. Die Geige war DIE EINE.

Gibt es etwas, das Du an Udo bewunderst, auch wenn Du ihn nie persönlich kennengelernt und nie mit ihm gespielt hast?

Auch wenn ich Udo nicht getroffen habe, ist das Spielen seiner Musik so, als hätte ich ihn bereits getroffen und mit ihm gesprochen. Musik hat diese übernatürliche Kraft, die Menschen auch ohne Worte zusammenzubringen. Ich bewundere seine Hingabe, seine Leidenschaft, seine Professionalität und die Tatsache, dass er seine Musik überallhin trägt. Wie ich von meinen Bandkollegen weiß, war dort, wo Udo war, auch seine Musik: Weihnachten, Ostern, Feiertage, usw. Ein Bandkollege erzählte mir, dass Udo manchmal Klavier spielte und seine eigenen Stücke sang und dass ihm – während des Spiels – dabei die Tränen in die Augen kamen. Das ist so schön…. Das ist die Kraft der Musik – das Ethos der Musik, das spüre ich in jedem Stück, das ich spiele – komponiert von Udo Jürgens. Er ist für mich ein genialer Musiker.

 

Foto der Interview-Reihe: Herbert Scheiwiler, Regula Marti, Marc Vorwerk

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