Im Gespräch mit Pianist und Keyboarder René Krömer

Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard können sich freuen: Die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ wird im Januar/Februar 2026 mit 15 Konzerten in Deutschland und Österreich fortgesetzt. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Berlin, Hannover, Rostock, Dortmund, Stuttgart und Wien. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer neuen Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Pianist und Keyboarder René Krömer spielt seit 2014 in der Big Band von Pepe Lienhard und begleitete Udo Jürgens bei seiner letzten Tournee „Mitten im Leben“ als erster Keyboarder. Mit René sprachen wir über Nervenkitzel, seine Klavierbegeisterte Großmutter und den großartigen Teamgeist im Orchester Pepe Lienhard.

René, Du hast bei der letzten Tournee von Udo Jürgens als erster Keyboarder direkt hinter Udo auf der Bühne gespielt. Du hattest die Akkorde von Udos Klavierparts mit in Deinen Noten stehen und bist „eingesprungen“, um Udos Klavierparts zu übernehmen, wenn Udo spontan vom Flügel aufgestanden ist, gesungen und das Publikum animiert hat. Das klingt nach Nervenkitzel …

Ja, das war natürlich spannend. Aber da ich ohnehin viel improvisiere, bin ich Spontanität gewohnt, das hält mich wach und präsent auf einer Tour. Es kam glaube ich nur 2 oder 3 mal vor, dass Udo plötzlich aufgehört hat Klavier zu spielen und ich seinen Klavierpart am Keyboard übernommen habe, aber das habe ich genossen.

Es war eine grossartige Zeit.

René Krömer

Du bist natürlich nicht nur für Udo eingesprungen. Du hast auch die Rhodes und Orgelsounds gespielt oder die Streicher ergänzt. Wie erinnerst Du Dich an die Tournee „Mitten im Leben“?

Ja genau, hauptsächlich Rhodes und Orgel, auch einige Synthesizer Flächensounds und ein paar Effekte. Streicher habe ich relativ wenig gespielt weil dafür noch ein zweiter Keyboarder zuständig war. Ich kannte bis dahin Udo eigentlich nur flüchtig, natürlich einige seiner größten Hits, aber ich hatte mich nie intensiv mit ihm beschäftigt, war auch auf keinem Konzert vorher und hatte keine CDs. Als wir dann die erste Probe hatten war ich aber sofort von seiner Präsenz angetan. Ich habe dann auch viele seiner nicht ganz so berühmten, aber aus meiner Sicht extrem wertvollen Stücke kennengelernt (Ich würde es wieder tun, Der gekaufte Drachen, Zehn nach Elf etc.) und da bin ich zum Fan geworden. Natürlich ist auch die Kombination mit der exzellenten Pepe Lienhard Band etwas Besonderes, ich weiss nicht ob es im deutschsprachigen Raum einen anderen Künstler gibt der mit so einer großen Band auftritt, wo alle Instrumente noch 100% live gespielt werden. Jedenfalls finde ich den Sound der Band fantastisch und die Arrangements haben perfekt zu Udo gepasst. Es war eine grossartige Zeit.

Was hast Du als Pianist an Udo bewundert?

Dass sein Klavierspiel perfekt zu seinen Songs und seiner Art zu singen passt. Er war ja kein reiner Pianist und nicht extrem virtuos, aber die Kombination aus Sänger, Pianist, Komponist und Entertainer fand ich sehr bewundernswert. Auch hatte er grossartige Texter an seiner Seite, die super zu seiner Musik gepasst haben. Sein Klavierspiel war absolut souverän, nicht zu viel und nicht zu wenig. Ich habe Udo als einzigartiges „Gesamtkunstwerk“ sehr schätzen gelernt.

Auch Du hast ja schon sehr früh das Klavier für Dich entdeckt, mit vier Jahren …

Das stimmt. Meine Grossmutter väterlicherseits hat schon gerne Klavier gespielt und auch mein Vater war begeisterter Hobbypianist und so stand in meinem Elternhaus ein Klavier, das ich dann schon sehr früh entdeckt habe. Ich habe einfach irgendwelche Töne gedrückt und natürlich zugehört wenn mein Vater Klavier gespielt hat. Mit sechs Jahren bekam ich dann meinen ersten Unterricht, damals noch rein klassisch. Später im Musikstudium hatte ich dann Jazz als Hauptfach und Klassik als Nebenfach und habe mich anschließend auch für Popmusik interessiert und meine ersten Keyboards gekauft. Dazu kamen Engagements in Theatern, Musicals, Künstlerbegleitung usw. Das Musikerleben ist ziemlich abwechslungsreich. Die Tour mit Udo war natürlich ein besonderes Highlight.

Wie erlebst Du, mehr als zehn Jahre nach Udos letzter Tournee, das Publikum auf der „Da Capo Udo Jürgens“-Tour?

Ich war ehrlich gesagt am Anfang ein bisschen skeptisch als ich von dem Konzept gehört habe. Udo war ja ein unglaublicher Livekünstler und dann seine Aufnahmen abspielen? Aber schon nach dem ersten Probetag war ich überzeugt. Die Videoabteilung hat einen unglaublich guten Job gemacht, das vorhandene Material zu bearbeiten und da wir als gesamtes Orchester live dazu spielen fühlt es sich tatsächlich fast wie damals an. Die Stimmung in der Band ist extrem positiv und auch vom Publikum habe ich  nur positive Rückmeldungen erhalten. Einerseits ist es ein Fantreffen, wo sich viele Leute einfach freuen, sich mal wieder zu sehen. Dann ist es aber auch eine teils sehr berührende, fast wehmütige und gleichzeitig freudige Reise in die Vergangenheit, die wieder lebendig erfahrbar wird. Man sieht die Leute im Publikum lachen, weinen, klatschen, tanzen, singen. All das was Udo ausgemacht hat, die Emotionen, die Tiefe und auch die Leichtigkeit und Lebensfreude wird noch einmal gefeiert. Ich finde das eine sehr gelungene Hommage an diesen großen Künstler.

All das was Udo ausgemacht hat, die Emotionen, die Tiefe und auch die Leichtigkeit und Lebensfreude wird noch einmal gefeiert.

René Krömer

Auf der Bühne und Backstage spürt man, mit viel Spaß und Liebe Ihr dabei seid und was für eine eingeschworene Band Ihr seid. Als Orchester über so viele Jahrzehnte hinweg so erfolgreich zusammenzuspielen, ist ein großes Kompliment an Euch alle, aber vor allem an den Bandleader, an Pepe. Wie gelingt das?

Du hast selber schon etwas Entscheidendes gesagt: Das gelingt vor allem mit einem Bandleader wie Pepe! Er wird in vollem Maße von allen Musikern respektiert und leitet die Band ebenso respektvoll, klar und freundlich. Wir alle stehen hinter ihm und so entsteht ein großartiger Teamgeist. Er achtet übrigens auch darauf, dass im ganzen Orchester nicht nur gute Musiker spielen, die ihr Instrument beherrschen, sondern auch Menschen, die zusammen passen und sich gut verstehen. Das ist natürlich gerade bei einer Tour sehr wichtig, wenn man so viel Zeit auf engem Raum miteinander verbringt. Insofern freue ich mich schon wieder auf Januar!

 

Fotos der Interview-Reihe: Herbert Scheiwiler, Regula Marti, Marc Vorwerk

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