Im Gespräch mit Trompeter Ralf Hesse

Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard können sich freuen: Die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ wird im Januar/Februar 2026 mit 15 Konzerten in Deutschland und Österreich fortgesetzt. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Berlin, Hannover, Rostock, Dortmund, Stuttgart und Wien. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit. 

In unserer neuen Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Los geht’s mit Trompeter Ralf Hesse. Seit 2006 gehört der gebürtige Stuttgarter zum Orchester Pepe Lienhard, bis Dezember 2014 begleitete er die Tourneen von Udo Jürgens. Udo liebte das Flügelhornspiel von Ralf und wünschte sich auf jeder Tournee ein Solo. Wir sprachen mit Ralf über seine Erinnerungen an Udo, den speziellen Pepe-Lienhard-Sound und die große Herausforderung „Merci Chérie“.

Ralf, Du bist Jazztrompeter, Komponist, Arrangeur. Seit fast 20 Jahren spielst Du im Orchester Pepe Lienhard und hast von 2006 bis 2014 alle Tourneen von Udo Jürgens begleitet. Wie blickst Du auf Udo, diesen Jahrhundertkünstler, zurück?

Der Begriff „Jahrhundertkünstler“ sagt eigentlich schon alles. Nach dem Dezember 2014 wurde mir schnell bewusst, daß es zumindest im deutschsprachigen Raum vermutlich keinen solchen Unterhaltungskünstler mehr geben wird. Es wird zwar immer Menschen geben, die sehr gute Lieder schreiben, sehr gut singen oder ein Publikum unterhalten können. Aufgrund der Veränderungen in unserer Gesellschaft und der Medienlandschaft kann ich mir jedoch nicht vorstellen, daß noch einmal jemand über einen so langen Zeitraum dauerhaft so präsent und erfolgreich sein wird. Dazu ist unsere Welt einfach viel zu schnelllebig geworden.

Es gehört zu meinen frühesten Erinnerungen als Kind, Udo Jürgens im Rundfunk und Fernsehen wahrgenommen zu haben. Als ich auf die Welt kam, war er schon ein Star. Und nun, mehr als zehn Jahre nach seinem Tod, sind er und seine Musik immer noch präsent. Wem gelingt es heutzutage beispielsweise noch, auf einer Tournee durch große Hallen ohne größere Show-Elemente die Aufmerksamkeit eines so großen Publikums wach zu halten?

Mich hat Udo jedenfalls immer beeindruckt und ich bin sehr dankbar, daß ich mit ihm arbeiten durfte.

Es gehört zu meinen frühesten Erinnerungen als Kind, Udo Jürgens im Rundfunk und Fernsehen wahrgenommen zu haben. Als ich auf die Welt kam, war er schon ein Star.

Ralf Hesse

Udo hat Dein Flügelhorn-Spiel geliebt, er hat sich auf jeder Tournee ein Solo von Dir gewünscht …

Natürlich sind die Leute wegen Udo ins Konzert gekommen. Aber daß es ihm offensichtlich ein Anliegen war, möglichst viele Musikerinnen und Musiker des Orchesters solistisch einzubinden, hat mich immer sehr gefreut. Das ist keine Selbstverständlichkeit und ich habe das auch schon ganz anders erlebt. Aber das zeigt eben auch, wie sehr er sich als Musiker empfunden hat und nicht nur als Star. Mir persönlich hat es natürlich immer viel Freude gemacht, jeden Abend auch einmal solistischen Freiraum zu bekommen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich die Zusammenarbeit mit Udo aber genauso genossen.

Das Orchester Pepe Lienhard hat live einen ganz besonderen „Udo-Jürgens-Sound“ geprägt. Die Live-Arrangements, die Intros, die Reprisen, die Medleys … was hat diesen Live-Sound so besonders gemacht? Wie wurden die Arrangements für die Konzerte erarbeitet?

Zunächst einmal muss ich dazu sagen, daß ich im Herbst 2006 nur die Position als Trompeter in Pepe Lienhards Orchester übernommen habe. Der damalige Arrangeur war Torsten Maaß. Ab 2009 war dann Jörg Achim Keller derjenige, der die Tourneen hauptsächlich arrangiert hat. Beide sind großartige Arrangeure, die ich sehr schätze und deren Arbeit ich bewundere.

Ich selbst habe seinerzeit erst begonnen, mich ernsthaft mit dem Schreiben zu beschäftigen und habe nur zugearbeitet. Es war vor allem Pepe, der mir in meinen Anfangsjahren auf diesem Gebiet viele Entfaltungsmöglichkeiten eingeräumt hat. Daß ich schließlich auch noch für Udo schreiben durfte, hat Vieles beschleunigt.

Was den speziellen Live-Sound angeht: hier ist vor allem hervorzuheben, daß Udo und Pepe eine gemeinsame Idee davon hatten, wie sie ein solches Tourneeprogramm gestalten wollen, und daß sie bereit waren, einen vergleichsweise hohen Aufwand für diese Konzerte zu betreiben. Udo hatte zudem eine hohe Wertschätzung für musikalisches Handwerk. Er war aber auch offen dafür, wenn man selbst Vorschläge eingebracht hat. Am Ende war es dann immer eine Kombination aus seiner klaren Vorstellung und dem, was die Arrangeure noch an Ideen beisteuern konnten.

Du hast für „Da Capo Udo Jürgens“ das Orchester-Arrangement von „Merci Chérie“ geschrieben. Auf der Videoleinwand sieht man dazu die Original-Aufnahme vom Grand Prix Eurovision de la Chanson 1966, hört Udos Original-Gesang und Udos Original-Klavierstimme. Was war bei diesem Arrangement die besondere Herausforderung für Dich?

Die Herausforderung hierbei lag eher im außermusikalischen Bereich. „Merci Chérie“ ist für viele Menschen ein ganz besonderes Musikstück, das sie sozusagen in- und auswendig kennen. Bei solchen Stücken ist die Gefahr groß, daß man es niemandem recht machen kann. Man muss einerseits sehr nah am Original bleiben, andererseits muss man es jedoch den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Die Orchesterbesetzung auf unseren Tourneen entspricht schließlich nicht derjenigen der TV-Show von 1966. Aber es scheint ja gelungen zu sein.

Den jungen Udo, der gerade mit „Merci Chérie“ den Grand Prix gewonnen hat, in der Großaufnahme auf der riesigen Videoleinwand zu sehen, hat das Publikum bei den „Da Capo Udo Jürgens“-Konzerten sehr angerührt. Wie geht es Dir in so einem Moment auf der Bühne?

Ganz einfach: ich genieße das sehr.

Ich genieße das sehr.

Ralf Hesse

Du leitest an der Stuttgarter Musikschule die Kinder-Bigband. Was ist Dir wichtig, den Kindern in ihrer musikalischen Entwicklung mitzugeben?

Ich würde das gar nicht auf die musikalische Entwicklung beschränken. Viel mehr glaube ich, daß ich mithilfe der Musik den Kindern und Jugendlichen etwas Wichtiges auf ihrer generellen Entwicklung mitgeben kann. Die aktive Beschäftigung mit Musik sowie das Erlernen eines Instruments oder das Ausbilden der Singstimme haben eine enorm positive Auswirkung auf die individuelle Entwicklung. Darüber hinaus hat das Musizieren in Orchestern und Gruppen oder das Singen im Chor einen positiven Einfluss auf unser Sozialverhalten.

Konzentriert man den Blick dann doch auf das Musikalische, so möchte ich die Jugendlichen vor allem darin unterstützen, so zu musizieren, wie es ihrem Naturell entspricht. Wie generell im Leben auch, werden wir in der Musik viel zu oft in Rollen gedrängt, die unserem Naturell nicht gerecht werden. Im ungünstigsten Fall kann Musik dann auch genau das Gegenteil von all den oben genannten positiven Eigenschaften bewirken. Unterm Strich bemühe ich mich darum, Kinder und Jugendliche stark zu machen, und daß sie soviel Freude am Musizieren haben wie ich.

 

Fotos der Interview-Reihe: Herbert Scheiwil, Regula Marti, Marc Vorwerk

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