Im Gespräch mit Violinistin Daniela Dakaj

Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard können sich freuen: Die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ wird im Januar/Februar 2026 mit 15 Konzerten in Deutschland und Österreich fortgesetzt. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Berlin, Hannover, Rostock, Dortmund, Stuttgart und Wien. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit. 

In unserer neuen Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Violinistin Daniela Dakaj ist schon mit Udos Musik aufgewachsen. Ihren großen Traum, einmal mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen, erfüllte sie sich erstmals bei der „Einfach ich“-Tournee 2009. Wir sprachen mit Daniela über die besonderen Tourneen mit Udo, Pepe und der Band, wehmütige Momente und große Träume, die manchmal gleich zweifach in Erfüllung gehen.

Daniela, Du hast Udo Jürgens mit dem Orchester Pepe Lienhard auf seinen letzten Tourneen „Einfach Ich“ 2009, „Der ganz normale Wahnsinn“ 2012 und „Mitten im Leben“ 2014 als Violinistin begleitet. Welche Erinnerungen hast Du an diese drei Konzertreisen und an Udo?

Die erste Tour 2009 war etwas ganz Besonderes für mich. Ich war 10 Jahre zuvor in einem Konzert von Udo gewesen. Die Band war großartig und ich dachte: „Wie gerne würde ich mit Ihnen auf der Bühne stehen und Udo begleiten!!”. Ich bin in Wien aufgewachsen, wo ich seine Musik kennen und lieben lernte.

Tja und 10 Jahre später ging dieser Wunsch dann plötzlich in Erfüllung. Meine Freundin und Kollegin Katharina Wildhagen (geb. Pick) war als Sologeigerin dabei und rief mich kurz nach Beginn der Proben an, weil es einen Krankheitsfall gab und nun eine Ersatzgeigerin gesucht wurde. Es war nicht ganz unkompliziert, frei zu kommen…..immerhin habe ich ein Festengagement an einem Opernhaus und die Spielzeit war voll im Gange. Aber ich konnte alles organisieren und war dann plötzlich 6 Wochen mit Udo auf Tour. Das war schon irgendwie krass. Meine Freundin war ja eben auch dabei und wir hatten natürlich entsprechend viel Spaß. Ich wurde von Udo, Pepe und der Band mit offenen Armen aufgenommen. Über die Jahre sind einige tiefe Freundschaften entstanden. So eine Tournee ist ja auch eine sehr intensive Zeit. Da lernt man sich gut kennen.

Udo wollte immer, dass es seinen Leuten gut geht. Er hatte stets ein offenes Ohr für jeden, der ein Anliegen hatte. Zum Beispiel bat ich ihn einmal, ob er ein kleines Grußvideo für einen sehr guten Freund von mir machen würde, der aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr seine Konzerte besuchen konnte. „Klar“ sagte Udo und wir nahmen einen ganz persönlichen Gruß auf. Mein Bekannter war total von den Socken und überglücklich! Das wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Tja, so hat jede Tournee ihre ganz eigenen und speziellen Erlebnisse. Die letzte Tournee 2014 habe ich allerdings ganz besonders genossen. Udo war schon 80, zwar topfit, aber niemand weiß natürlich vorher, wann das letzte Konzert gekommen ist. Das war mir sehr bewusst. Deswegen habe ich jeden Moment ganz intensiv erlebt und es voller Dankbarkeit genossen, mit so einem großen Musiker auf der Bühne musizieren zu können.

Worauf hat Udo beim Streicher-Ensemble musikalisch besonderen Wert gelegt?

Also ich muss sagen, dass ein großes Vertrauen in unser Können und in unsere Professionalität gesetzt wurde. Deswegen konnten wir Streicherinnen im Prinzip eigenverantwortlich einen schönen Klang ausbalancieren. Wenn es aber Verbesserungsvorschläge oder besondere Wünsche gab, ob von Udo oder Pepe, haben wir das dann in den Proben oder beim Soundcheck geklärt und verbessert.

Deswegen habe ich jeden Moment ganz intensiv erlebt und es voller Dankbarkeit genossen, mit so einem großen Musiker auf der Bühne musizieren zu können.

Daniela Dakaj

Was war Dein erster Gedanke, als Pepe Dich anrief und Dich fragte, ob Du bei „Da Capo Udo Jürgens“ mit dabei sein möchtest?

Ich war einfach nur unfassbar glücklich! Nach all der Zeit wieder mit diesen wunderbaren Musikern und Freunden auf der Bühne stehen und Udos Musik spielen zu können – darauf hatte ich lange gehofft. Da ging schon wieder ein Traum nach zehn Jahren in Erfüllung….

Du bist Orchestermusikerin am Theater Lübeck. Ist die „Da Capo Udo Jürgens“-Tournee dazwischen ein wilder, lustiger Roadtrip?

Also „wild“ würde ich jetzt nicht sagen… aber es ist schon ein großer Kontrast zum Alltag des Orchestermusikers. Einfach ein ganz anderes Leben und eine besondere Zeit. Es ist durchaus anstrengend, jeden Tag mehrere Stunden von Ort zu Ort zu reisen. Aber da wir uns alle unglaublich gut verstehen, ist diese Anstrengung mit sehr vielen schönen Momenten und Spaß verbunden – ob auf der Bühne oder danach an der Bar.

Ich war einfach nur unglaublich dankbar, dass wir alle – Musiker wie Publikum – durch seine Musik wieder verbunden waren.

Daniela Dakaj

Für das Publikum fühlt sich „Da Capo Udo Jürgens“ an, als sei Udo tatsächlich mit Euch zusammen auf der Bühne. Wie fühlt sich das Konzert mit Udo auf der großen LED-Wand für Dich an?

Oh es fühlt sich für mich sehr real an! Es ist eigentlich alles so wie früher….nur dass Udo nicht vor mir am Flügel, sondern hinter mir auf der Leinwand sitzt und singt. Ich war bei dem letzten Konzert in Zürich dabei. Ich kannte jedes Wort, das er sagte in und auswendig…

Wie viele Andere konnte ich nach seinem Tod seine Musik lange nicht hören. Es war ja – abgesehen von der Lücke, die er hinterließ – etwas richtig Großartiges in meinem Leben weggebrochen. Das macht wehmütig.

Die ersten Proben waren sehr bewegend. So viele Erinnerungen. So viele positive Gefühle. Und so viel Traurigkeit, weil er fehlt…

Aber mit jedem Konzert hab ich mich mehr daran gewöhnt und war einfach nur unglaublich dankbar, dass wir alle – Musiker wie Publikum – durch seine Musik wieder verbunden waren.

Ich freue mich schon unglaublich auf die nächsten Konzerte.

 

Fotos der Interview-Reihe: Herbert Scheiwil, Regula Marti, Marc Vorwerk

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