Heute erscheint "Mitten im Leben" als Doppel-LP

Zu Udos Geburtstag im vergangenen Jahr fragten wir Euch, welche Alben Ihr Euch als Neuveröffentlichung von Udo auf Vinyl wünscht. Eure Favoriten waren „Mitten im Leben“ (2014), „Was ich dir sagen will“ (1967) und „Traumtänzer“ (1983). Euren Wunsch erfüllen wir gerne! Als erstes Vinyl-Album erscheint heute „Mitten im Leben“ als Doppel-LP. 

1990, ein unvergesslicher Sommer in Italien

Sommer 1990, die deutsche Fußballnationalmannschaft mit Teamchef Franz Beckenbauer, Kapitän Lothar Matthäus und Final-Torschütze Andreas Brehme wird in Italien Weltmeister!
Udo sang damals mit der Nationalmannschaft gemeinsam den offiziellen Song zur WM 90 ein: „Wir sind schon auf dem Brenner“.
Unvergessliche Erinnerungen an einen der besten Sommer unseres Lebens und eine magische Nacht in Rom!
 
Wir wünschen der deutschen Fußballnationalmannschaft für die kommenden Spiele und die WM 2026 ganz viel Glück und Erfolg!
Vielleicht sehen wir uns alle beim WM-Finale am 19. Juli in New York?
Und bis dahin singen wir: „Ich war noch niemals in New York …“ 

Am 8. Mai erscheint die Picture Disc "Merci Chérie 60"

Schön ist sie geworden, die Picture Disc MERCI CHÉRIE 60, die am 8. Mai bei Sony Music Entertainment erscheint.

 

Mit MERCI CHÉRIE schrieb Udo Jürgens 1966 Musikgeschichte:

Nach zwei gescheiterten Versuchen mit „Warum nur, warum“ (1964) und „Sag ihr, ich lass sie grüßen“ (1965) will Udo Jürgens auf keinen Fall noch einmal am Grand Prix Eurovision de la Chanson teilnehmen. Sein Manager Hans R. Beierlein zwingt ihn förmlich zu einer dritten Teilnahme. Am Tag des Wettbewerbs will Udo Jürgens hinschmeißen und aus Luxemburg abreisen. Als eine Zeitung mit der Zeile „Udo Jürgens – ohne Chance“ aufmacht, kauft Manager Beierlein mit Fotograf Hansi Hoffmann alle erhältlichen Exemplare auf und lässt Udos Hoteltelefon sperren, damit sein Künstler nicht vollends die Nerven verliert. Diesmal, bei seiner dritten Teilnahme, gewinnt Udo Jürgens mit MERCI CHÉRIE. Der internationale Durchbruch! Das Abschiedslied mit der genialen Titelzeile, von Udo Jürgens komponiert und von Thomas Hörbiger getextet, wird zum Welthit und erreicht Spitzenpositionen in den Hitparaden von über 20 Ländern. Für Udo Jürgens, so beschrieb er es später selber, war MERCI CHÉRIE der Beginn von allem.

Zum 60‑jährigen Jubiläum von Udo Jürgens’ Grand Prix‑Sieg erscheint am 8. Mai 2026 die exklusive Picture Disc MERCI CHÉRIE. Die Edition enthält auf Seite A ausgewählte Live‑ und Studioaufnahmen des Klassikers aus verschiedenen Jahrzehnten, während Seite B die internationalen Fassungen präsentiert – auf Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und als Bonus in japanischer Sprache.

Im Gespräch mit Trompeter Jörg Brohm

Abschiedsstimmung für die Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard. In Wien findet die finale Show von „Da Capo Udo Jürgens“ statt. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Trompeter Jörg Brohm sah Udo und Pepe Lienhard das erste Mal auf der Bühne der Siegerlandhalle. Die Tournee „Ohne Maske“ hinterließ bei Jörg tiefen Eindruck. Sein großer Traum, einmal mit Udo und dem Orchester Pepe Lienhard gemeinsam auf der Bühne zu stehen, erfüllte sich 2009 auf Udos Tournee „Einfach ich“. Wir sprachen mit Jörg über eine Trompete im Schlafzimmerschrank, Udos besondere Aura und den vielleicht schönsten Moment seiner Karriere.

Jörg, stimmt die Geschichte, die wir gehört haben, dass Du Deine erste Trompete im Schlafzimmerschrank Deines Vaters entdeckt hast?  

Ja, das war absolut so.

War Dir sofort klar: Das ist es! Ich will Trompete spielen!

Ja, sofort. Ich habe ein Jahr lang autodidaktisch das Instrument geübt und dann Privatunterricht bekommen.

Du hattest auf Deinem Weg immer die besten Musiker an Deiner Seite, die Dich gefördert haben: Fritz Nöh, Posaunist bei Kurt Edelhagen oder Jiggs Whigham …

Ich bin zunächst in eine klassische Richtung eingeschlagen: Musikschule, Jugend musiziert, später dann entdeckte ich die Uni Big Band in Siegen, die Jiggs Whigham damals leitete. Nach dem Abitur bin ich zur Bundeswehr ins Ausbildungsmusikkorps und habe in Düsseldorf Klassik studiert und mit Diplom abgeschlossen.

Big Band der Bundeswehr, die Heavytones, Ernst Hutter, Paul Kuhn, Till Brönner, Seal. Du spielst eine breite Range …!

Ich wollte immer breit aufgestellt sein. Ich habe zwar die klassische Ausbildung durchlaufen, weil ich dies als Grundlage für das Trompetenspielen und für alles Musikalische als solide Grundlage angesehen habe. Aber dann kam Paul Kuhn und wir haben die berühmten Fernsehsendungen zusammen gemacht. Über das Netzwerk von Musikern, die sich untereinander alle kennen, erweiterte sich der Kreis.

Dieser spezielle Sound, der anders war als das, was ich so kannte, hat mich sofort abgeholt.

Und dann kam das Orchester Pepe Lienhardt …

Ich glaube, ich war 17 oder 18, als ich in meiner Heimatstadt Siegen, in der Siegerlandhalle, das erste Mal Udo Jürgens und Pepe Lienhard gehört habe. Das war die Tournee „Ohne Maske“. Ich fand das so beeindruckend, wie die Band geklungen hat. Das hatte ich bis dahin noch nicht so gehört. Und dann dachte ich, da musst du auch mal spielen. Das musst du auch mal schaffen. Irgendwann später, als ich der Big Band der Bundeswehr spielte, empfahl mich ein Kollege dem Orchester Pepe Lienhard. Pepe hat das offensichtlich ziemlich gut gefallen. Ab 2009 habe ich dann die Udo Jürgens-Tourneen gespielt. Das war natürlich großartig für mich.

Das Orchester Pepe Lienhard hat den Sound der Udo Jürgens-Konzerte seit 1982 geprägt. Die Intros, die Reprisen, die Medleys … Euer Sound war immer sehr besonders, international … Was ist das Geheimnis dieses Sounds?

Wie soll man den Sound beschreiben? International. Ja, das trifft es. Das hat für mich sowas von große Welt. Las Vegas. Das ist in Europa ja relativ selten oder eigentlich gar nicht vorhanden, dieser Sound. Das hat auch mit der Besetzung zu tun und natürlich auch mit den hervorragenden Arrangements, die so ein Orchester im Wesentlichen ausmachen. Pepe hatte immer etwas Internationales. Ich kannte natürlich auch Big Bands in der klassischen Formation: Vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophonen. Aber die Formation mit drei Trompeten, eine Posaune, zwei Saxophonen war besonders. Mein Hauptaugenmerk lag natürlich in dem Fall auf den Trompeten. Und Pepe hatte auch damals schon immer super gute Lead-Trompeter. Dieser spezielle Sound, der anders war als das, was ich so kannte, hat mich sofort abgeholt.

Die Tournee „Mitten im Leben“ sollte Eure letzte sein.

Keiner konnte damit rechnen, dass Udo im Dezember stirbt. Im Frühjahr sollte die Tournee nach einer kurzen Pause weitergehen. Komischerweise hatte ich beim letzten Konzert in Zürich, ich weiß nicht warum, ein ganz komisches Gefühl. Alle 24 Konzerte vorher waren super für mich. Der letzte Konzertabend aber ist mir schwer gefallen. Es war alles okay, aber ich habe mich unfassbar anstrengen müssen. Ein ganz subtiles Gefühl.

Gibt es etwas, das Du besonders an Udo bewundert hast?

Ja, für mich hatte Udo eine besondere Aura. Er war sehr konsequent. Er war immer diszipliniert, immer perfekt vorbereitet, immer pünktlich.

Manchmal habe ich den Eindruck: Jetzt ist Udo da.

Wie erlebst Du die „Da Capo“-Show auf der Bühne, Udo riesengroß hinter dir? 

Manchmal habe ich den Eindruck: Jetzt ist Udo da.

Wie blickst Du auf die Zeit mit Udo und Pepe zurück? 

Die Zusammenarbeit mit Udo und Pepe ist eines meiner bedeutendsten Erlebnisse in meiner musikalischen Laufbahn. Ich erinnere mich an den Moment, als ich Udo und Pepe zum ersten Mal in Siegen gehört habe. Später, als ich dann selber mit Udo und Pepe zusammen auf der Bühne stand, in Siegen, meiner Heimatstadt, und meine Eltern unten im Publikum saßen, hatte ich das Gefühl: Jetzt hast du es geschafft.

 

Die Zusammenarbeit mit Udo und Pepe ist eines meiner bedeutendsten Erlebnisse in meiner musikalischen Laufbahn.

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Im Gespräch mit Sängerin Brigitte Wullimann

Abschiedsstimmung für die Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard. In Wien findet die finale Show von „Da Capo Udo Jürgens“ statt. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Brigitte Wullimann begleitet „Da Capo“ als Backgroundsängerin – und als wundervolle Solistin.  Ihr gehört einer der ergreifendsten Momente der Show: das Duett „Immer wieder geht die Sonne auf“. Mit Brigitte sprachen wir über ihr großes Duett mit Udo, gemeinsame Gespräche über Liebe und Musik – und über eine sehr besondere Fahrt mit dem Riesenrad.

Es ist eine Ehre, dieses Lied singen zu dürfen.

Brigitte, Dir gehört einer der größten und ergreifendsten Momente bei „Da Capo Udo Jürgens“. Du singst gemeinsam mit Udo im Duett „Immer wieder geht die Sonne auf“. Wie fühlt sich das für Dich an?

Das fühlt sich sehr schön an. Aber es ist schon ein spezieller Moment für mich. Und obwohl ich Udo nicht sehe und ich an den Bühnenrand hinaus singe, kann ich mich doch in diesen Moment hineingeben.

Udos langjährige Textdichter Oliver Spiecker, Wolfgang Hofer und Uli Heuel saßen während der Tournee im Publikum und haben Dich gemeinsam mit Udo singen sehen. Für sie fühlte sich Euer Duett, fühlte sich die ganze Show an wie ein einziger schöner Traum …

Ja, ich bin da und singe wirklich mit Udo zusammen. Es ist eine Ehre, dieses Lied singen zu dürfen, genau mit ihm zusammen. Und da ich auch schon bei „Der ganz normale Wahnsinn“ mit Udo auf der Bühne stehen durfte, kann ich mich zurück erinnern an 2012. Das war natürlich nicht der gleiche Moment, es war ein anderes Lied und wir waren damals zu viert auf der Bühne, aber trotzdem kann ich mich sehr in diese Situation hinein fühlen.

Udo ist uns allen auf Augenhöhe begegnet und hat geschätzt, was wir machen.

Siehst Du Udo auf der großen Leinwand eigentlich aus dem Augenwinkel, wenn Du auf der Bühne stehst?  

Nein, von dem Moment an, wo ich mich zur Seite drehe, kann ich Udo nicht mehr sehen. Das hat Film- und Aufnahmetechnische Gründe. Ich schaue dann wirklich nur den Scheinwerfer an.

Wie reagieren die Fans auf die Show? 

Wir bekommen sehr, sehr viele Rückmeldungen vom Publikum und von den Fans. Die meisten gehen nach Hause mit dem Gefühl, als würde Udo wirklich leben und als sei das ganz, ganz echt, was dort gerade in den zwei, zweieinhalb Stunden passiert ist.

Wie gehst Du aus einem so besonderen Konzertabend raus? 

Es ist für uns wirklich schön, das noch einmal erleben zu dürfen, noch einmal auf Tour zu gehen – und Udo ist da mit seinen wirklich unglaublich tollen Liedern. Wir meinen das alle aus vollem Herzen. Ich glaube, das ist auch das, was man spürt. Es ist uns ernst.

Du hast es schon angesprochen, Du warst 2012 mit Udo und dem Orchester Pepe Lienhard zusammen auf der Tournee „Der ganz normale Wahnsinn“. Wenn Du Dich heute zurück erinnerst, welche Gedanken oder Erinnerungen gehen Dir durch den Kopf? 

Es war wirklich eine tolle Zeit für mich. Unglaublich, dass ich überhaupt dabei sein durfte. Ich habe ja eine besondere Kindheitserinnerung an Udo. Ich komme aus Zürich und Udo hat in Zürich gelebt, oben im Corso-Haus, beim Bellevue. Und immer, wenn Herbstjahrmarkt war, sind wir mit dem Riesenrad gefahren – und wenn wir oben auf dem Riesenrad waren, konnten wir von dort in Udos Wohnung den gläsernen Flügel sehen. Später dann tatsächlich mit ihm auf der Bühne zu stehen, war etwas ganz Besonderes. Udo war charmant und lustig, total zugänglich, offen und authentisch. Was für mich immer schön war, mit ihm über Musik zu diskutieren, da hat er wirklich Feuer gefangen oder auch über die Liebe, das war wirklich spannend. Ich hatte nie das Gefühl, nur eine kleine Backgroundsängerin zu sein. Udo ist uns allen auf Augenhöhe begegnet und hat geschätzt, was wir machen. Das sind sehr schöne Erinnerungen an Udo.

He is leading the band! Pepe ist ein unglaublich fairer Leader.

Was ist das Geheimnis des Orchesters Pepe Lienhard, vor allem aber das Erfolgsgeheimnis von Pepe, dass ihr alle schon so lange zusammen spielt? 

Das Geheimnis? He is leading the band! Pepe ist ein unglaublich fairer Leader, er ist immer auf der Seite der Musiker, es ist immer die gleiche Augenhöhe, ganz klar. Und im Zweifelsfall ist er immer pro Musiker, Pepe steht für seine Band ein. Das ist es, ja. Und er ist total herzlich und nie von oben herab, nie.

Du unterrichtest auch Kinder. In der Musikschule ist es das eine, wie man richtig singt, dass man die Töne trifft und die Noten lesen kann, aber was ist das wirklich Essenzielle, was Du den Kindern, die sich für Musik interessieren, mitgibst auf ihrem Weg? 

Das Schönste ist, sie irgendwie zu zünden. Das ist jetzt wahrscheinlich nicht das beste Wort, aber ich denke, das trifft es ganz gut. Wenn es mir nur gelingt, pro Semester oder pro Jahr einen jungen Menschen für Musik zu begeistern, dann hat sich die Arbeit schon gelohnt. Es geht darum, sich auszudrücken, in der Musik eine Kraft und ein Selbstbewusstsein, seine Stimme, seine Sprache zu finden. Das eine ist das Technische, dass die Stimme nicht kaputt geht, aber das andere ist die Begeisterung für die Musik. In einem jungen Menschen ein Feuer zu entfachen für die Musik, zu erleben, wie ein junger Mensch wächst in der Musik und mit der Musik, das ist schon wirklich sehr, sehr schön.

 

Im Gespräch mit Posaunist Wolf Schenk

Abschiedsstimmung für die Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard. In Stuttgart und Wien finden die finalen Shows von „Da Capo Udo Jürgens“ statt. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Das Bassposaunenspiel von Wolf Schenk hat bestimmt jeder schon einmal auf CD gehört. Wolf war an den Studioaufnahmen für die No Angels, Jonas Kaufmann, Götz Alsmann, Tom Gaebel und natürlich immer wieder an den Einspielungen von Udo Jürgens beteiligt. Mit Wolf sprachen wir über die Sexyness der Bassposaune, Udos einzigartige Stimme und den Spaß, den es bringt, in der Band von Pepe Lienhard zu spielen.

Wolf, Du bist als Bassposaunist ein echter Tieftöner. Woher kam Dein Interesse für die Bassposaune?

Die ersten Aufnahmen, die ich gehört habe, wo die Bassposaune herausstach oder kleine Solopassagen hatte, haben mich sehr fasziniert. Bei Frank Sinatra gab es einen ganz wunderbaren Bassposaunisten, George Roberts. Er und mein späterer Lehrer, Erik van Lier, haben mich maßgeblich beeinflusst.

Alle geben immer ihr Bestes, jeden Abend.

Im Vergleich zur Trompete, zum Flügelhorn oder zum Saxophon gilt die Posaune als „unsexy“ und wird immer etwas stiefmütterlich behandelt. Was reizt Dich an Deinem Instrument?

Die Posaune gilt in der Musikgeschichte als das“gesanglichste“ Blechblasinstrument. Es gibt einen Posaunisten, der diese gesangliche Spielweise perfektioniert hat, Dick Nash, inzwischen über 90 Jahre alt. Zu unzähligen Filmen hat er wunderschöne Posaunen-Melodien eingespielt. Viele Menschen wären wahrscheinlich überrascht, wenn sie wüssten, dass das Instrument, was sie da gerade hören, tatsächlich eine Posaune ist. Es gibt aber auch Posaunensolisten, die so virtuos spielen, dass man wahrscheinlich auch nicht direkt auf die Idee kommt, einen Posaunisten zu hören. Mit unserem großen, breiten Tonumfang haben wir Posaunisten sogar Vorteile gegenüber der Trompete. Es gibt deswegen auch einige tolle Aufnahmen von reinen Posaunenensembles. Reine Trompetenensembles sind da eher seltener. In der Big Band sind wir die Stütze für die Trompeten. Ohne die Posaune würde die Band recht dünn klingen. Das alles klingt in meinen Ohren ziemlich „sexy“.

Das macht einfach wahnsinnig Spaß.

Du spielst in der Big Band von Pepe Lienhard. Ihr seid schon eine sehr besondere, fast „familiäre“ Band … 

Ich bin seit 2008 bei Pepe in der Big Band und habe schon viele Tourneen gemacht. Ich glaube, wir alle mögen und respektieren uns. Und das ist dann schon so ein bisschen familiär. Ich freue mich immer darauf, abends mit der Band zu spielen. Alle geben immer ihr Bestes, jeden Abend. Wenn wir auf der Bühne sind, sind wir total fokussiert auf die Musik und spielen immer mit 100 Prozent Energie. Ich glaube, das ist auch das, was rüberkommt beim Publikum. Wir haben eine wunderbare Posaunen-Section und überhaupt eine tolle Band, und mit Pepe einfach einen super kompetenten und sympathischen Leiter. Das macht einfach wahnsinnig Spaß.

Ich hatte sofort das Gefühl, es ist wie damals.

Viele Fans sagen, dass sie bei „Da Capo Udo Jürgens“ zwischendurch ganz vergessen, das Udo nicht live auf der Bühne steht. Das ist ein großes Kompliment an Euch …

Tatsächlich ging mir das bei den Proben schon so. Ich hatte sofort das Gefühl, es ist wie damals. Und da war noch gar kein Publikum dabei. Das Videoteam von Tourneeveranstalter Semmel Concerts hat einen fantastischen Job gemacht mit sehr schönen, stimmigen Schnitten zwischen Udo auf der Videoleinwand und dem, was live gespielt wird, was live auf der Bühne passiert, besonders bei den Duetten mit Udo.

Man hört eine Note von Udo und erkennt ihn sofort.

Gibt es etwas, das Du sehr an Udo bewundert hast, etwas, das ganz speziell Udo war?

Als erstes natürlich die Stimme, die einzigartig ist. Udo war nicht nur als Sänger, sondern auch als Komponist wirklich herausragend und ein grandioser Musiker. Man hört eine Note von Udo und erkennt ihn sofort. Diese Persönlichkeit in der Stimme ist etwas, was es wirklich nur ganz selten gibt.

"Mitten im Leben" erscheint am 27. Februar, Presale ist gestartet

Mit „Mitten im Leben“ veröffentlichte Komponist und Sänger Udo Jürgens im Februar 2014 sein letztes Studioalbum. Aufgenommen wurden die 12 Neukompositionen und vier musikalischen Zwischenspiele, die dem Album einen poetischen Bogen geben, von Udo Jürgens und seinem langjährigem Tonmeister und Produzent Peter Wagner im Hansa Studio 1 Berlin. Künstlerischer Höhepunkt des Albums sind die Orchesteraufnahmen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, dirigiert von Jörg-Achim Keller. Die provokant-amüsante Single-Auskopplung „Der Mann ist das Problem“ und gesellschaftskritische Songs wie „Der gläserne Mensch“ und „Die riesengroße Gier“ machen das Album, neben den sehr persönlichen Liedern „Vogel im Käfig“, „Das Leben bist du“, „Mein Ziel“ und „Zehn nach Elf“ zu einer berührenden Erinnerung an den größten deutschsprachigen Songwriter des 20. Jahrhunderts.

„Mitten im Leben“ erschien ursprünglich am 21. Februar 2014 bei Ariola/Sony Music. Nun feiert die letzte von Udo Jürgens eingespielte Studioproduktion eine besondere Premiere: Erstmals erscheint „Mitten im Leben“ als Doppel-LP auf Vinyl.

Im Gespräch mit Bandleader Pepe Lienhard

Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard können sich freuen: Die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ wird im Januar/Februar 2026 mit 11 Konzerten in Deutschland und Österreich fortgesetzt. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Magdeburg, Münster, Frankfurt am Main, Stuttgart und Wien. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

37 Jahre lang war Pepe Lienhard der Bandleader von Udo Jürgens. Zehn Jahre nach dessen Tod machte er mit seiner Big Band, aber ohne seinen Chef im Rahmen der „Da Capo“-Tour weiter. Die erste Runde Ende 2024 war ein Riesenerfolg, nun folgt schon die zweite Fortsetzung der emotionalen Konzertreise. Autor Steffen Rüth traf Pepe in der Schweiz zum Gespräch.
Lieber Pepe, du lebst ja wirklich in einem Idyll.
Wir sind jetzt seit vierzehn Jahren hier und haben es noch keinen Tag bereut. So ein großes Haus mit Garten und einer Scheune, die ich mir zum Arbeitsplatz umgebaut habe, wäre in Zürich unbezahlbar gewesen. Frauenfeld ist unsere Heimat geworden. Das ist hier im besten Sinne eine Kleinstadt. Man kennt sich, man duzt sich, man kann aufeinander zählen. Und Platz genug für ein paar Volieren habe ich auch noch.
Früher, als du noch im Tessin lebtest, hattest du einen ganzen Zoo, oder?
Kann man sagen, ja. Das war in den Achtzigern, bevor ich Vater wurde. Ich hatte Flamingos, Kängurus, Tukane, Rhinozerosvögel und vieles mehr. Aber heute besitze ich keine tropischen Vögel mehr. Wenn ich die sehen will, fahre ich nach Costa Rica, mein absolutes Lieblingsreiseland.
So richtig viel Zeit für Urlaub hast du aber nicht.
Das stimmt, ich bin sehr beschäftigt. Jedes Konzert ist anders, das ist das Schöne an meinem Beruf. Auch nach so vielen Jahren kommt bei mir keine Routine auf.

Das war eine unfassbare Zeit, eine wunderschöne Zeit.

Pepe Lienhard
Was bedeutet die „Da Capo Udo Jürgens“-Tournee für dich?
Da Capo ist schon ein Glücksfall für mich, keine Frage. Als die Idee aufkam, habe ich sie gleich super gefunden. Aber dass es so toll funktioniert, hätte auch ich nicht gedacht. Man kann ja vieles planen und die großartigsten Ideen haben, aber am Ende ist es das Publikum, das entscheidet. Wir arbeiten mehr denn je. Und ich bin sehr glücklich. Denn natürlich war es ein Risiko, aber wir haben auf dieser Tournee die besten und fähigsten Leute in jedem Bereich.
Was ist das Besondere an Da Capo aus deiner Sicht?
Dass wir Udo wieder aufleben lassen können. Ich meine, für uns war das Kapitel irgendwie abgeschlossen. Wir haben 37 Jahre mit ihm gespielt. Das war eine unfassbare Zeit, eine wunderschöne Zeit – auch, weil ich immer den Traum hatte von der großen Band. Und das war halt wirklich nur möglich dank Udo, der ein Riesenstar ist und Udo, sich auch immer diese Band geleistet hat.
Eine Big Band ist kein Schnäppchen.
Nein. Ich meine, es gab gewiss mal Zweifel so nach der Devise „Brauchen wir so eine große Band, brauchen wir wirklich drei Posaunen?“ Aber nie von Udo, sondern von den Leuten, die auf das Geschäftliche schauen. Und Udo hat gesagt: Pepe entscheidet, was er sagt, wird gemacht. Diese Unterstützung ist nicht selbstverständlich, denn auch für ihn wäre mehr rausgekommen, wenn wir eine billigere Band gehabt hätten. Das war eine wirklich glückliche Fügung, dass wir da zusammengekommen sind. Das hat mir alle meine Träume möglich gemacht und so gesehen bin ich Udo persönlich auch unglaublich dankbar. Die Zeit mit ihm war super.

Das war eine wirklich glückliche Fügung, dass wir da zusammengekommen sind. Das hat mir alle meine Träume möglich gemacht und so gesehen bin ich Udo persönlich auch unglaublich dankbar.

Pepe Lienhard
Wie fühlt es sich an, nun wieder neben Udo Jürgens auf der Bühne zu stehen?
Dass wir das jetzt nach zehn Jahren nochmal erleben dürfen, ist sensationell. Wir haben natürlich immer von Udo gesprochen, das ist ja klar nach so vielen gemeinsamen Jahren. Seit er nicht mehr lebt, habe ich auch auf meinen Konzerten mit meiner Big Band immer Udo-Titel gespielt. Vorher nie. Aber ich habe nie mit einem Udo-Imitator gearbeitet, das wollte ich nicht. Wir haben die Titel auf unsere Art mit der Big Band bearbeitet.  Wir haben Udos Musik gewürdigt und lebendig gehalten. Aber, dass wir jetzt mit Udo selber nochmal wieder dank Da Capo spielen können, ist schon sehr emotional. Vor allem am Anfang. Inzwischen breche ich nicht mehr jedes Mal in Tränen aus, wenn Udo auf der Leinwand erscheint.
An welchen Stellen kommt denn auch jetzt noch vielleicht mal ein Tränchen?
Zum Beispiel beim Lied „Der Gekaufte Drachen“, das von einem Sohn handelt, dessen Vater viel arbeitet und nicht immer zuhause ist.  Es soll ja auch emotional sein. Wir spielen diese Show jetzt seit zwei Jahren. Die Fans waren am Anfang skeptisch. Aussagen wie „Wir wissen nicht, ob wir das sehen wollen, ob das nicht unsere Erinnerung zerstört oder schmälert“, kamen nicht selten. Und jetzt sind alle total begeistert. Die Leute vergessen während der Show wirklich, dass Udo nicht mehr lebt. Das ist schon sehr ergreifend. Es ist ja auch keine dieser Phantom-Shows wie bei Abba, mit den Avataren und so. Das ist schon was anderes. Das würde ich jetzt komisch finden, wenn Udo als Avatar da irgendwie plötzlich wieder so dreidimensional auf der Bühne rumspazieren würde. Man weiß bei uns, die Aufnahmen sind aus den Konzerten 2014, 2012 oder sogar original vom Grand Prix Eurovision de la Chanson. Wir spielen heute live dazu. Das ist eine ehrliche Sache. Hinzu kommt eine wahnsinnig schöne Inszenierung. Mit Licht, das auf die Songs abgestimmt ist. Livekameras, die Duette zusammenfügen und Bilder und Lichtshows auf drei LED-Wänden wiedergeben. 

Die Leute vergessen während der Show wirklich, dass Udo nicht mehr lebt. Das ist schon sehr ergreifend.

Pepe Lienhard
Gibt es Neuerungen gegenüber der ersten „Da Capo“-Tour 2024?
Wir spielen einige Songs, die wir im Live-Mitschnitt von 2014 nur im Medley hatten, also „Ein ehrenwertes Haus“, „17 Jahr, blondes Haar“ und „Aber bitte mit Sahne“ nun komplett. Die fehlenden Teile übernimmt dabei der Moderator, das funktioniert ganz wunderbar. Zudem haben wir jetzt die Originalaufnahme vom Eurovision Song Contest 1966 in Luxemburg, wo Udo „Merci, Chérie“ gesungen hat. Die Stimme ist von damals, und wir spielen live ein neues Arrangement dazu.
Wie war sie überhaupt, die Arbeit mit Udo Jürgens?
Sie konnte fordernd und anstrengend sein. Udo war streng gegenüber seiner Mannschaft, aber am strengsten gegenüber sich selbst. Udo hat sich nie, nie ausgeruht. Selbst bei den langen Tourneen mit bis zu 150 Konzerten nicht. Da hat er am letzten Konzert noch was geändert. Man konnte nie auf Autopiloten schalten. Dafür wussten wir: Wenn Udo gesund bleibt, werden wir noch lange mit ihm arbeiten.
Du warst in der Schweiz ein aufstrebender Musiker und hattest gerade mit „Swiss Lady“ am Eurovision Song Contest teilgenommen, als du 1977 mit Udo Jürgens zusammengetroffen bist. Wie erinnerst du dich an den Beginn eurer Zusammenarbeit?
Durch etwas unangenehme Umstände – Probleme mit der Steuer – kam Udo in die Schweiz. In Deutschland durfte er zu der Zeit nicht auftreten, also unternahmen wir 1977 eine Amerika-Tournee. Da haben wir gemerkt, dass es funktioniert. Nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich und von der Einstellung zur Musik her. Wir haben uns angefreundet, und wahrscheinlich hätte eine normale Tour uns nie so nahegebracht wie diese USA-und-Kanadareise, wo uns in manchen Städten wirklich kaum jemand kannte. Wir waren im Wohnwagen unterwegs, ohne Luxus, das war ein richtig rustikales Abenteuer. Die Tournee war sehr erfolgreich, auch wenn wir fast ausschließlich für die vielen deutschen Auswanderer dort in der amerikanischen Provinz gespielt haben.
Fand Udo das cool?
Ja, er hat das richtig genossen. Er hat nach den Shows gern mit uns Musikern abgehangen. Wir wussten ja, was für ein Star er ist, aber diese Distanz hat er nie ausgelebt. Bis auf zwei, drei Ausnahmen sind von den 25 Musikern, die 2014 die letzte Tour mit Udo spielten, jetzt bei „Da Capo“ wieder alle dabei.
Was würde er wohl heute für Lieder schreiben?
Ich glaube, er würde sich auch zur Politik äußern. Das Schimpfen auf die Schulen, das Schimpfen auf die Ausländer, dieses undifferenzierte Draufhauen auf alles und jedes, das hat er nie gemocht. Udo war mutig. Ein Lied wie „Gehet hin und vermehret euch“, mit dem er sich mit der katholischen Kirche anlegte, hätten nicht viele seiner Kollegen gemacht. Sein Credo ist ja immer gewesen, dass Unterhaltung viel mit Haltung zu tun hat. Respekt und Anstand waren ihm sehr wichtig. Würde er heute noch leben, fände er vieles nicht so lustig, was gerade passiert.

Bis auf zwei, drei Ausnahmen sind von den 25 Musikern, die 2014 die letzte Tour mit Udo spielten, jetzt bei „Da Capo“ wieder alle dabei.

Pepe Lienhard
Das Herzstück von „Da Capo“ ist das letzte Konzert vom 7. Dezember 2014 im Hallenstadion Zürich. Welche Erinnerungen hast du an diese Show?
Sehr gute. Das war das Abschlusskonzert von der ersten Tourhälfte. Udo war ein bisschen emotional und melancholisch, weil er wusste, jetzt würde er zwei Monate nicht auf der Bühne stehen. Aber wir waren alle sehr gut drauf, Zürich war ein Heimspiel, und Udo wollte den Jahreswechsel in seinem Haus an der Algarve verbringen. Vorher haben wir uns noch zum Essen getroffen, das war ein wahnsinnig schöner Abend. Er nahm mich in den Arm und dankte mir, dass ich ihm immer den Rücken freigehalten habe.
Wo habt ihr zu Abend gegessen?
Bei einem Italiener in Weinfelden, den es nicht mehr gibt. Er hat dort sehr gern gegessen und guten Wein getrunken. Wir haben an dem Abend sogar Pläne geschmiedet, ein großes Open Air auf dem Rathausplatz in Wien mit den Sinfonikern. Von Abschied war nie die Rede. Udo hatte noch genug Energie für zwei, drei Tourneen, davon bin ich überzeugt. Die Kraft war da.
Weißt du noch, was ihr gegessen habt?
Lienhard: Kaninchen. Das mochte er gern. Ich erinnere mich nicht mehr an den Wein, ich weiß aber noch, dass wir – unsere Frauen waren auch dabei – eine zweite Flasche aufgemacht haben. Und dann bleibt einfach sein Herz stehen, und es ist vorbei.
Du wirst im kommenden März 80. Dann bist du so alt, wie Udo war, als er starb. Denkst du über so etwas wie den Abschied von der Bühne nach?
Es wird von mir nie eine Abschiedstournee geben. So lange die Gesundheit mitspielt, werde ich auf der Bühne stehen. Das hat Udo auch so gemacht. Ich meine, er war ein 80-jähriger Mann, aber er war fit bis zum Schluss. Er hat keine Textfehler gemacht, musste sich nie korrigieren, er war voll da. Manche sagen, am Ende habe er müde gewirkt. Das habe ich ehrlich gesagt nicht so empfunden. Er hat sogar noch getanzt auf der Bühne.
Das können wir von dir aber nicht erwarten, oder?
Nein, da hat die Arthrose in meinen Knien ein bisschen was dagegen (lacht). Natürlich wäre ich lieber 60 als 80, aber das Älterwerden bleibt keinem von uns erspart. Ich sehe die Zukunft positiv. Und ich habe eine Menge vor. Nach „Da Capo“ werde ich im Mai in der Schweiz meine „Celebration Tour“ in elf Städten spielen, mit Big Band, Streichern und vier Gesangssolisten. Das ist für mich ein weiteres Highlight und so ein bisschen mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst.
 
Und wie wirst du deinen Geburtstag am 23. März verbringen?
Eine große Party werde ich nicht schmeißen. Wahrscheinlich mache ich mir einen schönen Tag im engsten Kreis mit der Familie. Mit meinen Freunden möchte ich lieber auf meinen Konzerten feiern – und mich feiern lassen (lacht).

Ich sehe die Zukunft positiv. Und ich habe eine Menge vor.

Pepe Lienhard
Zu feiern gibt es einiges. Es heißt, als du mit 15 Jahren Quincy Jones live gesehen hast, wusstest du, was du beruflich machen möchtest.
Quincy mit seiner Band live zu sehen, das war für mich wie eine Erleuchtung. Es war wie ein wahrgewordener Traum, ihn später persönlich gut kennenzulernen. Besonders intensiv hatten wir 2008 beim Jazz Festival in Montreux miteinander zu tun, wo ich ein Konzert zu seinem 75. Geburtstag zusammenstellen konnte, unter anderem mit Chaka Khan und Herbie Hancock. Ich durfte dieses Konzert leiten, das war schon krass. Quincy kam und umarmte mich, das war wie ein Ritterschlag.
Was hat dich an Quincy Jones besonders fasziniert?
Die Art, wie er Jazz spielte. Nicht schräg oder Avantgarde, sondern populär und gefällig. Und er hatte eine Wahnsinnsband, nur mit den allerbesten Musikern. Als Gymnasiast war ich von ihm total verzaubert. Zudem hatte er diese musikalische Bandbreite, er hat auch Hip-Hop produziert und natürlich Michael Jackson. Wo Quincy war, galt das absolute Top-Level.
1983 und 1984 hast du die Hausband im „Sporting Club“ in Monte Carlo geleitet. Unter anderem habt ihr mit Frank Sinatra und mit Paul Anka gespielt.
Ja, und mit den Supremes, Shirley Bassey, Harry Belafonte, Sammy Davis Jr. und vielen mehr. Frank Sinatra hat mich tatsächlich sehr beeindruckt. Der war bei den kompletten Proben dabei, das hätte ich nicht erwartet von jemandem wie ihm. Er hat sich eingebracht und ganz dezidiert gesagt, was wir mit dem Orchester vielleicht noch besser machen könnten. Frank war wirklich sehr nett. Die Zickereien hattest du immer mit den Gesangsstars aus der zweiten und dritten Liga. Die haben ihre Unsicherheit gern so ein bisschen auf die Band übertragen.
Wie war Whitney Houston?
Unglaublich. Wir haben zwei Titel in einer Fernsehsendung zusammen gespielt. Sie war damals 19, hatte gerade ihren ersten Nummer-eins-Hit gehabt und sah umwerfend aus. Wir waren alle sprachlos, vor allem, als sie darauf bestand, nicht wie üblich Playback, sondern live zu singen. Whitney hat gesungen wie ein Engel. Leider ist sie dann abgestürzt. Ich habe ihr letztes Konzert in der Schweiz gesehen, das war ein Trauerspiel. Sie konnte wirklich nicht mehr singen. Sie hat mir so leid getan. Das war schon tragisch.

Quincy mit seiner Band live zu sehen, das war für mich wie eine Erleuchtung.

Pepe Lienhard
Hörst du direkt raus, ob aus einer Nachwuchsbegabung ein Superstar werden kann?
Nein, das nicht, aber bei einer Lady Gaga oder einer Amy Winehouse hat es mich nicht gewundert. Die waren beide außergewöhnlich. Aber manchmal singen jetzt Leute im Stadion vor 40.000 Menschen, die einem als der oder die Größte überhaupt verkauft werden, dann geh ich da hin und denke „Okay, Zweck erfüllt, aber für mich ist das nichts“. Aber vielleicht bin ich als 80 Jahre alter Mann auch nicht das Zielpublikum.
Sondern eher deine Enkel.
Das kann gut sein. Die Familie wächst und gedeiht jedenfalls. Ich habe zwei Söhne aus meiner Jugend quasi, die sind in den Vierzigern. Einer von ihnen hat zwei Kinder, die jetzt auch schon 18 und 20 sind. Meine beiden Töchter aus erster Ehe sind 35 und 37. Die Ältere hat drei Kinder.  Der Älteste von meiner Tochter spielt Trompete. Aber mir scheint, dass ihn der Fußball noch mehr interessiert.
In welchem Alter ist denn überhaupt das „Da Capo“-Publikum?
Es kommen auch Jüngere. Aber das sind vielleicht meist die Mitgeschleppten, wie Udo sie liebevoll genannt hat. Ich denke, es kommen viele Menschen in meinem Alter und ein bisschen jünger, die Udo nochmal sehen wollen. Und einige von denen bringen vielleicht ihre Kinder und Enkel mit.

"Da Capo Udo Jürgens": Finale Shows ab 23. Januar

Es sind die finalen Shows von „Da Capo Udo Jürgens“: Am 23. Januar 2026 startet die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ in Zwickau in die allerletzten Zusatzshows. Es folgen Konzerte in Düsseldorf, Mannheim, Essen, Hannover, Magdeburg, Münster, Dortmund, Frankfurt am Main und Stuttgart. Das große Finale der „Da Capo Udo Jürgens“ Tournee feiern wir am 20. Februar 2026 in Wien. Tickets für die letzten Shows sind auf https://www.eventim.de/artist/da-capo-udo-juergens/?affiliate=GMD erhältlich.

Im Gespräch mit Cellistin Susanne Schmid-Rojan

Fans von Udo und dem Orchester Pepe Lienhard können sich freuen: Die Tournee „Da Capo Udo Jürgens“ wird im Januar/Februar 2026 mit 11 Konzerten in Deutschland und Österreich fortgesetzt. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Zwickau, Düsseldorf, Hannover, Dortmund, Stuttgart und Wien. Das Erfolgsgeheimnis von „Da Capo Udo Jürgens“? Zwischen Udo auf der riesigen Videoleinwand und dem fantastisch aufspielenden Orchester Pepe Lienhard, das live auf der Bühne vor der Videoleinwand spielt, verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit.

In unserer Interview-Serie stellen wir Euch die „Da Capo“-Mitglieder des Orchesters Pepe Lienhard vor: Cellistin Susanne Schmid-Rojan begleitete Udo Jürgens 20 Jahre, seit der Tournee „Größenwahn“ im Jahr 1994. Mit Susanne sprachen wir über ihre allererste Tournee mit Udo und Pepe Lienhard, das Gefühl, bei „Da Capo“ mit Udo auf der riesengroßen Videoleinwand zu spielen und über die große Liebe ihres Lebens.

Susanne, Du bist Cellistin, hast Deinen ersten Unterricht im Alter von vier Jahren bekommen, Deine ersten großen Erfolge konntest Du mit 14 bei „Jugend musiziert“ feiern. Wusstest Du von Anfang an, dass das Violoncello Dein Instrument ist?

Doch, definitiv. Ich hatte zuhause genügend Instrumente zur Auswahl, die haben mich aber nicht gepackt. Das Cello sollte es sein. Nein, einen wirklichen Plan B hatte ich nicht.

Du spielst in diversen Orchestern und Ensembles, warst weltweit auf Konzertreisen, hast in der Schweiz im Orchester des Zirkus „Salto Natale“ von Rolf Knie gespielt …

Mit dem 21st Century Orchestra mache ich hauptsächlich Filmmusik, das liebe ich sehr.  Mit dem Orchester durfte ich unter anderem schon in Paris, der Royal Albert Hall London, in der Radio City Hall in New York, im Lincoln Center in New York, in Dubai und im vergangenen Jahr gerade erst in Abu Dhabi spielen. Solche Erfahrungen prägen einen sehr und ich möchte keine der Reisen missen. Neben den vielen Konzertreisen ist mir aber auch meine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr wichtig, ich unterrichte an zwei Musikschulen in der Schweiz. Das ist eine sehr erfüllende Tätigkeit.

Bei Pepe habe ich 1994 buchstäblich «laufen gelernt».

Susanne Schmid-Rojan

1994 bist Du zur „Größenwahn“-Tournee von Udo Jürgens mit dem Orchester Pepe Lienhard gekommen, mit 22! Wie war diese erste gemeinsame Tour und die Zusammenarbeit mit Udo und Pepe für Dich? 

Bei Pepe habe ich 1994 buchstäblich «laufen gelernt». Ich hatte vorher mein Studium in Düsseldorf begonnen und bin bis dahin nur „klassisch“ unterwegs gewesen. Ich hatte von dieser Art von Musik bisher null cellistische Erfahrung. Mit solch grossen Künstlern wie Udo Jürgens zusammenzuarbeiten war sowas von unvorstellbar – ich bin mir mit meinen 22 Jahren und meiner Unerfahrenheit total winzig vorgekommen. Aber ich durfte von Pepe und Udo jede Menge lernen, was ich sehr schätze. Ich bin mir sicher, dass mich diese Zeit auch für die Zukunft sehr geprägt hat.

Inzwischen ist es manchmal so, als wäre er noch da.

Susanne Schmid-Rojan

Die „Größenwahn“-Tournee war aber nicht nur musikalisch ein Volltreffer für Dich. Du hast auf der Tour die große Liebe Deines Lebens gefunden.

Ja, ganz nebenbei habe ich meinen Mann auf der 94er Tour kennengelernt und ich habe nach der Tour meine Zelte in Deutschland abgebrochen und lebe seither in der Schweiz.

Die letzte gemeinsame Tour mit Udo hattest Du 2014: „Mitten im Leben“. Wenn Du Dich an Dein letztes Konzert mit Udo in Wien zurückerinnerst, welche spezielle Erinnerung an diesen Konzertabend geht Dir durch den Kopf?

Die herzliche Verabschiedung als wir früher von der Tour weg mussten.

Du hast 20 Jahre für Udo gespielt. Wie fühlt es sich jetzt für Dich an, bei „Da Capo Udo Jürgens“ mit Udo auf der riesengroßen LED-Wand zu spielen, direkt in Deinem Rücken? 

Anfangs habe ich es fast nicht fertig gebracht mich umzudrehen! Ich hatte einen dicken Kloss im Hals und ziemlich viel Pipi in den Augen. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und inzwischen ist es manchmal so, als wäre er noch da.